Lenhardt lästert

1.6.08

Go west

Gegen Ende der Fußball-WM 2006 war ich wegen der Vorbereitung von Vertrag und Umzug in Deutschland (und erlebte das Aus der Gastgeber gegen Italien abends bei meinem Bruder, statt 9 Stunden zeitversetzt am hellichten Mittag am Fernseher in Vancouver sitzend).

Zwei Jahre später, die Fußball-EM 2008 naht, bin ich in den letzten Zügen meines Daseins als Mieter in Mittelfranken. Der Haupthaushalt (siehe letzter Eintrag und Foto oben) ist wieder da, wo nicht nur er hingehört, sondern vor allem ich. Ich erkläre offiziell das Ende meiner Wanderjahre und verlege meinen Lebensmittelpunkt wieder nach Vancouver, wo ich mich von 2001 – 2006 sehr an Land und Leute gewöhnt habe, wie mir in den letzten Jahren klar geworden ist.

Das Schöne daran ist, dass ich Job-mäßig weiter mit dem grandiosen buffed-Team arbeiten kann. Die Wunder moderner Online-Kommunikationstechnik und häufigere Besuche im Fürther Hauptquartier machen diese „Fernbeziehung“ möglich.

Raffinierte Saison-Sorten von Ritter Sport, der Nervenkitzel des Überlebenskampfs gegen die Rambo-Radfahrer, der possierliche Anblick der Nordic Walker, faszinierende politische Prozesse wie die Selbstzerstörung der SPD, gewirkte Wunder wie das Rauchverbot in Restaurants – all diese hiesigen Attraktionen in Ehren, aber ich freue mich einfach darauf, die deutsch-kanadische Freundschaft bald wieder von der Westküste aus fördern zu können.

24.3.08

Völkerwanderung für Fortgeschrittene


Zum 01.04. splittet sich der aktuelle Nürnberger Privathaushalt in diverse Wohnungen in diversen Städten auf. Ich behalte selber nur mühsam den Überblick und versuche, gelegentlich eine Karte mit all den Truppenbewegungen zu skizzieren.

Beim aktuellen Umzug wieder mal gelernt: Man schleppt zu viel materielle Besitzgüter durchs Leben. Nicht vergessen, Hund und PC am letzten Tag einzupacken. Oh mein Gott, der Schotter im Keller hat sich nicht von selber in Luft aufgelöst?

Zu meinen Hobbies gehört ja das Gemecker darüber, was alles in Deutschland nicht oder zu mühselig oder zu langsam geht. Umso erfreuter stelle ich heute fest, dass man einen Post-Nachsendeantrag inzwischen komplett übers Internet stellen kann. Wahnsinn, diese moderne Zeiten.


20.1.08

Wie ich lernte, den Master Chief ansatzweise wieder zu lieben



Ich hatte mir deshalb eine Jahresbestenliste für Spiele verkniffen, weil ich 2007 nur einen Bruchteil der A-Titel gespielt habe. Meine Liebe zu Bioshock ist bekannt, über Weihnachten konnte ich mich auch in die Schar der Portal-Lobeshymnenschreiber einreihen (Half-Life 2 Episode 2 ist auch gelungen, kauft also endlich diese Orange Box). Call of Duty 4 finde ich gut, wenn auch nicht so exorbitant brillant, wie es dessen Verkaufszahlen vermuten lassen könnten. Die Einzelspieler-Kampagne ist spektakulär gemacht, die Krieg- und Krisenherd-Stimmung für meinen Geschmack aber zu gut getroffen und anstrengend, um als Feierabend-Entspannung zu taugen.

Da lobe ich mir doch einen relativ gemütlichen SF-Krieg wie den von Halo 3. Das Xbox-Debütspiel war klasse, doch bei Teil 2 hatte ich mittendrin aufgehört. Die Story wurde einfach zu blöde und die Fokussierung auf Online-Spielmodi war für mich kein ausreichender Ersatz. Halo 3 fängt schon einmal damit an, dass nur Fan-Boys durchsteigen, um was es überhaupt geht. Eine kurze „Was bisher geschah“ Storynachhilfe wäre nach drei Jahren Halo-Pause nett gewesen. Tröstlich, dass selbst intime Kenner der Materie nicht nachvollziehen können, warum da der Master Chief auf einmal vom Himmel fällt.

Die ersten paar Spielstunden laden fast zum Gähnen ein, denn die Ballerei ist gepflegt, spielt sich aber wie eine hochauflösende Halo-Wiederholung. In der zweiten Hälfte der Kampagne gibt es dagegen reichlich aufregende Momente, coole Waffen und Vehikel, einige der fettesten Explosionen der Videospielgeschichte, eine atemberaubende Luftschlacht… nur bei der Story habe ich alle Mitdenkversuche eingestellt. Wer wann warum mal Gut oder Böse ist, geht am Betrachter weitgehend vorbei. Trotz alledem ist der Schluss dann doch irgendwie rührend (wehe dem, der den Abspann nicht zu Ende anguckt).

Statistisch gesehen hat etwa jeder zweite Xbox-360-Besitzer Halo 3 gekauft. Bemerkenswert für ein System, dem es nicht an guten Shootern mangelt. Wer keine übertriebene Erwartungshaltung an Story-Plausibilität und Design-Innovationen hat, kann nach dem Durchspielen verstehen, warum. Halo 3 sorgt für eine gute Zeit, ist nicht zu komplex oder schwierig, hat gut dosierte „Woah!“-Stellen und ist schön anzusehen. Ich weiß, der wahre Fan tummelt sich in Multiplayer-Partien, aber bevor ich mir das Leiden in den WoW-Battlegrounds nicht abgewöhnt habe, werde ich kaum dazu kommen.

Also Master Chief, bis zum nächsten Mal, vielleicht dann mit einem anderen Entwicklungsstudio. Nach dem Split von Bungie und Microsoft vermute ich mal die Halo-Serienrechte bei letzterem Elternteil verbleibend, was der Serienzukunft nicht unbedingt schaden muß.

31.12.07

Das Mindesthaltbarkeits-Datum für Jahresend-Listen ist erreicht



Zu den kurioseren Leistungen der weltweiten 2007-Rückblickerei gehört die Aussortierung der schlechtesten Spieleschachtel-Artworks des Jahres von CVG. Ganz amüsant, zumal mir neulich erst bei Mass Effect die Diskrepanz zwischen Qualität der Software und langweiliger Ödnis der Packungs-Artwork aufgefallen ist. Erfreut Euch an richtiger Schachtelkunst, solange es sie noch gibt – umverpackungsfreie digitale Downloads sind unaufhaltsam auf dem Vormarsch.

Die witzigsten Spiele-Jahresend-Preise vergibt Penny Arcade. Deren „We’re right“-Awards haben nicht nur einen wunderbar subjektiven „Ätsch, wir wissen’s besser“-Unterton, sondern zeugen auch von besserem Geschmack als die häufig an Verkaufszahlen angelehnten Jahresendprämierungen anderer Medien. Den Portal-Pokalen kann ich mich nur anschließen; die Puzzles sind nicht nur raffiniert designt, dieses kleine feine Spiel hat auch betörend viel Charme und Humor (alles weitere dazu: siehe Boris). Verkauft wird es als Steam-Download oder im Einzelhandels-Paket „Orange Box“ zusammen mit Half-Life 2 und Team Fortress 2. Alles Spiele, die sehr unterschiedlich sind, was zu einer ernüchternd langweiligen Wischiwaschi-Packung (s.o.) führte (womit der Bogen zum Einstiegsthema erfolgreich gemacht ist).

Wie bescheiden sind eigentlich die Unterhaltungsansprüche von Menschen, die sich am Lärm von selbst entzündeten Knallkörpern erfreuen können? Apropos: Hier noch meine persönlichen Kracher, die Top-20-Einzeltracks des Musikjahres. Und dann Klappe zu, 2007.

1. Fountains of Wayne: Hotel Majestic / New Routine (unmöglich, sich zu entscheiden…)

2. Mika: Grace Kelly

3. Fiction Plane: Two Sisters

4. Arctic Monkeys: Fluorescent Adolescent

5. Feist: 1234

6. Bruce Springsteen: Radio Nowhere

7. Spoon: Underdog

8. Manic Street Preachers: Your Love alone is not enough

9. Matthew Good: I’m a Window

10.Level 70 Elite Tauren Chieftain: I am Murloc

11.Band of Horses: Is there a Ghost

12.Wintersleep: Archaeologists

13.The View: Same Jeans

14.The Kooks: Naive

15.Bloc Party: I still remember

16.VHS or Beta: Can’t believe a single Word

17.Coheed and Cambria: Feathers

18.Motion City Soundtrack: This is for real

19.Arcade Fire: No Cars go

20.Low Level Flight: Change for me

29.12.07

2007 - das Ende ist nah


Genervt vom üblichen Jahresendzeit-Crap (und damit meine ich nicht den bescheuerten „Hoffnung für die Raucher“-Artikel auf SPIEGEL Online, der entweder ein langweiliger Satire-Versuch ist oder ein ernst gemeintes Plädoyer für das „Grundrecht“, die Gesundheit von Passivrauchern weiter unbehindert gefährden zu dürfen)?

Aus Spieler-Sicht sind die ganzen „Best of 2007“-Listen der alten Medien ziemliche Gähner. Und dann noch Putin als „Person of the Year“ des amerikanischen Time-Magazins? Muss ja echt ein ödes Jahr gewesen sein. Schnell rüber zur photoshoppenden Protestbewegung bei Something Awful, wo auch Spiele-Persönlichkeiten bei den liebevoll gefaketen Time-Titelbildern berücksichtigt werden. Meine Lieblinge: Andrew Ryan, Kane sowie der Medic aus Team Fortress 2.

Oh, apropos Jahresend-Listen, die die Welt nicht braucht: Hier meine Top 5 im Musikbereich (gesamte Alben, nicht einzelne Tracks, keine Compilations, kein neu entdecktes tolles altes Zeug wie z.B. Led Zeppelin’s Physical Graffiti):

1. Fountains of Wayne: Traffic and Weather

2. Bruce Springsteen: Magic

3. Manic Street Preachers: Send away the Tigers

4. Matthew Good: Hospital Music

5. Mika: Life in Cartoon Motion

25.12.07

§@%#$!! Weihnachten


Der sensationelle „Weihnachts-Spinone“ wurde wieder gesichtet! Statt Geschenke zu bringen, staubt er lieber Leckereien zum Eigenkonsum ab. Das herzige Foto oben entstand im Rahmen der Session fürs buffed-Weihnachts-Special.

Nichts geht über einen beschaulichen Spaziergang am Weihnachtsmorgen, wenn korpulente Choleriker einen anblaffen, weil sie sich der Ausübung ihrer Skigymnastik-Übungen daran gestört führen, dass mein treuer Hund zwei Meter neben mir unangeleint dahin trottet. Um den Gesprächsverlauf kurz zusammen zu fassen: Du weißt, dass Du wieder in Deutschland bist, wenn Dir wildfremde Eingeborene mit „Weil es auf dem Schild steht“-Diskussionsversuchen ins Gesicht springen und bedauern, dass gerade keine Ordnungshüter zur Hand sind, um die Angelegenheit zu regeln. Danke, du mich auch, schöne Festtage. Nur um die Frage „Macht Weihnachten eigentlich aggressiv?“ mal ein und für alle mal mit „ja“ beantwortet zu haben.

Zurück zu den heiteren Aspekten der Feiertage: Es gibt auch dieses Jahr wieder eine alternative „Weihnachtskarte“ von Rolf „Starkiller“ Boyke. Auf seiner Webseite boyke-comix.de tut sich immer wieder was, alleine die Kommentare zu den Starkiller-Kostproben sind einen Besuch wert.